Das Symposium 2018
Am 1. Mai begann das 26. Mundartsymposium in der Bosener Mühle bei strahlend blauem Himmel aber eher winterlichen Temperaturen. Auf Einladung des Landkreises St. Wendel und unter Mitveranstaltung von SR3, der Saarlandwelle, erwarteten Dr. Martina Scheer von der Tourist-Information Sankt Wendeler Land und Susanne Wachs von SR3 die außergewöhnlichen Autoren. Außergewöhnlich deshalb, weil eine Autorin aus 13.000 Kilometer Entfernung angereist war, um an diesem Symposium teilzunehmen. Solange Hamester Johann kam aus Brasilien, genauer gesagt aus Santa Maria do Herval in Rio Grande do Sul, an den Bostalsee. In ihrer Heimat sprechen noch drei Millionen Menschen „Hunsrigg Plat“ und sie ist eine engagierte Förderin ihrer Muttersprache, die von der UNESCO als eigene Sprache in Brasilien anerkannt worden ist. Ebenso interessant sind die beiden Autoren, die aus Frankreich zu Gast waren: Elvis Stengel aus Lothringen und Jean-Pierre Schlagg aus dem Elsass. Elvis Stengel ist eigentlich Biolandwirt, doch sein Herz schlägt für die Literatur und das Chanson. Begleitet von seiner Tochter Céline auf dem Klavier, singt und rezitiert er seine Texte sehr gefühlvoll. Demnächst erscheint sein neues Album mit Liedern in „Ditsch“, seiner Muttersprache. Elsässisches Urgestein und Liedermacher Jean Pierre Schlagg ist weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt, nicht nur als Liedermacher, sondern auch als Sänger und Schauspieler. Mit seiner Band „Schlagg un the six packs“ macht er Country-Musik auf elsässisch und singt Lieder von Jonny Hallyday bis Eddie Mitchell mit Texten seiner Muttersprache. Heimvorteil genoss der Saarländer Johannes Lapré aus Bexbach, der erst mit Beendigung seiner beruflichen Karriere als weltweit anerkannter Unternehmensberater neu durchstarten konnte. Als Sänger und Liedermacher veröffentlichte Lapré im Juni 2017 sein erstes Mundartalbum „SAAR-PÄLZISCH“, nachdem er schon Alben in englischer (Pop the Blues & Rock it) und hochdeutscher Sprache (Touchdown in Deutschland) herausgegeben hatte. Der Saarlandbotschafter beschäftigt sich mit sehr persönlichen Themen, wie der Hochzeit seiner Tochter, seinem Eintritt in den „Ruhestand“ oder Heimweh. Überwältigend war, dass Menschen, die so weit entfernt voneinander leben, sich in unserer Mundart unterhalten können! Und so wurde auch viel geredet , vor allem auch gelacht und Freundschaften geschlossen. Jeden Morgen um 9 Uhr traf man sich in der Bosener Mühle zum gemeinsamen Frühstück. Dabei stelle Susanne Wachs einen Teilnehmer vor. Eine Einblendung auf SR3 erfolgte auch am frühen Nachmittag, in dem die Autoren von ihren Eindrücken berichteten. Martina Scheer zeigte den Autoren wieder viele Sehenswürdigkeiten des Sankt Wendeler Landes, wie den keltischen Ringwall in Otzenhausen. Die Parkschenke Simon in Nonnweiler kredenzte danach ein stärkendes Keltenmenue. Jean-Pierre Schlagg kommentierte den anstrengenden Aufstieg mit der Aussage, er habe „seine halbe Lunge verloren“. Das Weltraumatelier in Mosberg-Richweiler machte auf die Autoren großen Eindruck, insbesondere die für den Hollywood-Blockbasters mit Tom Hanks nachgebaute Apollo-13-Kapsel. Die Besichtigung der Johann-Adams-Mühle in Theley führte die Dichter und Sänger in die Welt der Vorfahren und im Schaumbergturm in Tholey wurde die wechselnde saarländische-französische Geschichte offenkundig. Landrat Udo Recktenwald empfing die Gäste im Historischen Sitzungssaal der Landkreisverwaltung. Er betonte, wie wichtig das Symposium für die Kultur im Sankt Wendeler Land ist und erntete für sein Engagement große Anerkennung und Dank von den Autoren. Die frühgotische Basilika in St. Wendel, die Skulpturenstraße und das mittelalterliche Ambiente beeindruckten die Teilnehmer des Symposiums. Freitags abends war zunächst Susanne Wachs Gast im Aktuellen Bericht und die Mundartdichter anschließend bei ihr in der Sendung „Bei uns dehemm“, wo sie die Dichter interviewte und Titel von ihnen vorstellte. Interessant wurde es wieder besonders bei der Abschlussveranstaltung am Samstag, dem 5. Mai, in der Bosener Mühle. Etwa einhundert Besucher hörten tolle Mundartmusik und Texte. Die Tochter von Elvis Stengel, Céline, begleitete auf dem Flügel. Hinzu kam auf Einladung von Susanne Wachs noch ein besonderer Überraschungsgast: Didier Sustrac, ein in Frankreich bekannter Chansonier, der im Saarland weilte. Er spielte auf seiner Gitarre brasilianisch beeinflusste Musik und Solange Hamester Johann sprach ihre Texte darauf in ihrer Hunsrücker Muttersprache. Es war ein besonders schöner und abwechslungsreicher Abend, der den Autoren Standing Ovations bescherte.

